Über den Tod und das Leben danach – Elisabeth Kübler-Ross

Elisabeth Kübler- Ross, (1926 -2004) ist eine schweizer Wissenschaftlerin, die durch ihre Arbeiten und Publikationen über das Sterben und den Tod bekannt geworden ist. Sie befasste sich mit dem Sterbeprozess, mit Trauer und Abschied und gilt als die Begründerin der modernen Sterbeforschung. Für ihre wissenschaftliche Arbeiten wurde sie 23 mal mit der Ehrendoktorwürde verschiedener Universitäten geehrt und ausgezeichnet. Damit zählt sie zu den am meisten geehrten Wissenschaftlern der Welt. Sie schrieb mehr als 20 Bücher und eine Vielzahl von Veröffentlichungen.

Ihr Weg war zunächst von einer konsequenten wissenschaftlichen Denkweise geprägt. Erst in den späteren Jahren ihres Lebens öffnete sie sich mehr und mehr einer spirituellen Dimension und gründete in Escondido, Kalifornien ein spritiuelles Zentrum – Shanti Nilaya.

Das Buch „Über den Tod und das Leben danach“ ist eine Zusammenfassung von drei Fachvorträgen. Dabei beschreibt sie ihre Arbeit bei der Begleitung des Sterbens und ihre Rückschlüsse, die zu einem inneren Wandel bei ihr führten. Aus objektiver wissenschaftlicher Beobachtung wird subjektive Erfahrung. Frau Kübler – Ross scheut sich nicht diese eigenen Erfahrungen vor einem großen Publikum zu berichten und sich selbst zum Mittelpunkt der wissenschaftlichen Erforschungen zu machen. Dieser Perspektivenwechsel wird ihr mit Skepsis und Kritik gezollt.

Als Mensch hat sie ihr gesamtes Leben einem Thema gewidmet, dabei aber erkannt, dass es sich nicht allein um objektiv wissenschaftliche Sachverhalte handelt, sondern um Menschen, die durch ihre eigenen Prozesse auch den Prozess der Forscherin beeinflussten. Besonders ihre Erfahrungen mit Kindern im Sterbeerlebnis haben sie geprägt. Sie hat den Mut sich öffentlich ihrer eigenen Entwicklung zu stellen und auch vor einem wissenschaftlichen Publikum das zu vertreten.

An eigenen, zum Teil esoterisch anmutenden Transformationserfahrungen beschreibt sie wodurch ihre Öffnung und ihr Glaube an ein Leben nach dem Tod entstanden ist. Diese überaus mutige Leistung konnte von vielen ihrer früheren Kollegen nicht geteilt werden und mangelnde Toleranz brachten ihr Widerspruch und Ausgrenzung. Für den Leser ist es eine Einladung, selbst diese Grenzen zu erforschen und einer klugen, intelligenten, renommierten Frau zu folgen und die eigenen Erfahrungen zu zulassen.

Das Buch berichtet in den Vorträgen über ihre Erfahrungen. Viele Wiederholungen festigen beim Leser das Gesagte, nehmen aber den Vorträgen an Tiefe. Sterben ist oft schmerzhaft, seelisch wie körperlich. Ihre Reden wirken dahingehend etwas verklärt, zu einfach, auf einen alles bewirkenden Faktor beschränkt. Die Liebe. „Die Liebe“ als Monokausalfaktor für gelungenes Sterben? Ihr Engagement für Nahtod-Erlebnisse ist an allen Stellen spürbar und subjektive Erfahrungsberichte von Sterbenden, besonders von Kindern bilden für sie den Beweis. Immer wieder bemüht sie das Bild es Schmetterlings, der seinen Kokon verlässt und vergleicht dies mit dem Übergang von einer Welt in die nächste.

Für eine Wissenschaftlerin ist es ein großartiger und mutiger Schritt, für kritisch denkende Menschen fehlt ihren Ausführungen ein wenig an Substanz. Dennoch macht das Buch Hoffnung und vor allem gibt es, neben den viel beschmunzelten esoterischen Erfahrungen, die sich mit diesen Themen schon seit Jahrhunderten beschäftigt und vertraut gemacht haben, nun auch akademische Impulse, sich der spirituellen Dimension zu öffnen. Wenn auch Elisabeth Kübler-Ross noch keine Durchbruch mit ihrer Denkweise erzielen konnte, so hat sie doch für eine Reihe von nachfolgenden Wissenschaftlern die Türen geöffnet und eine wirklich wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Nahtod – Erlebnissen und einer Erforschung eines Lebens nach dem Tod angestoßen. Sie hat dem wissenschaftlichen Diktat getrotzt und ist somit nicht nur Ehrendoktor und wissenschaftliche Koryphäe sondern vor allem auch Wegbereiterin einer neuen Ära von Sterbeforschung unter Einschluss einer spirituellen Sichtweise. Dies ist nicht weitreichend genug zu würdigen.

Elisabeth Kübler-Ross
Über den Tod und das Leben danach,
1984, Verlag: Silberschnur, Güllesheim

ber den Tod EK-R

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