[us_page_title description=“1″ font_size=“1.8rem“ inline=“1″]

Gedichte von Holle und ihrem Junker Tod

Der Tod und das Mädchen

Warum kommst du schon?
Fragt es mit bangem Blick.
Ich bleibe hier,
will nicht zu dir zurück.

Mein kleines Kind, ich bin dein Freund,
nicht ewig sollst du leiden.
Ich bin geschickt,
um dich ins Himmlische zu g´leiten.

Oh schöner Mann, ich sehe dich,
die Mutter ruft mich an.
Geh fort von hier,
sie legt auf dich den zaubergleichen Bann.

Du kleines Ding, ich liebe dich,
du hast es fein mit mir.
Ich bringe dich zur Holle hin,
die Mutter ist in ihr.

Nein, nein, du redest wirres Zeug,
ich hör die Mutter klar.
Verschwinde schöner trauter Mann,
die Mutter die ist da.

Komm kleines Mädchen folge mir,
du wirst es nicht bereuen,
ich zeige dir das Paradies,
die Holle wird´s erfreuen.

Warum quälst du mich?
Ich bin so klein und schwach.
Die Mutter hör´ ich weinen oft,
ihr Klagen hält  mich wach.

Drum Kleine mach dich jetzt bereit,
wir gehen gleichsam fort,
wir nehmen mit der Mutter Leid
an diesen heil‘nden Ort.

Oh je, ich hör die Mutter fern,
sie ruft mich noch und noch.
Ich halte dich, mein kleines Kind,
entführe dich nun doch.

Hinauf geht es, aufs weiße Pferd,
hinauf in luft‘ge Höhn.
Wie wundervoll die Welt doch ist,
so hab ich ´s nie geseh‘n.

Noch weiter reiten wir dahin,
bis in das golden Reich.
Dort wirst du sein bei Holle nun,
so schön und  jung und  reich.

Die Mutter höre ich nicht mehr,
ihr Klang ist lang verweht.
Im Garten sitze ich nun hier
von Licht und Glück besäet.

Oh Mutter, liebes Mütterlein,
ich send dir meine Kraft,
versiegt soll´n deine Tränen sein,
ich hab es wohl geschafft.

Doch traurig ist mein Herze oft,
ich bin so weit entfernt
Von Heimat, Erde, Vaterland,
Erinnerung umschwärmt.

Die Holle eine gnäd´ge Frau,
ganz ehrenhaft und fromm,
sie blickt es an und weiß genau,
dass es auf Erden komm‘.

Drum drückt sie es bald fest ans Herz
und lächelt froh ihm zu.
Hinab geht’s morgen, erdenwärts,
hinaus aus himmlisch´ Ruh.

Ein neues Leben fängt jetzt an,
der erste Schrei getan,
die Holle blinzelt mondengleich,
das Schicksal sie vernahm.

Die Melodie ist angestimmt,
von tiefer Quelle sie entspringt.
das Erdenspiel erneut beginnt,
das Leben durch die Zeit nun rinnt.

Komm lieber Tod, die Holle spricht,
du musst hinaus schon bald.
Die Mutter braucht dich, findet nicht
allein durch Wind und Wald.

Schnell bring sie her und zeig sie mir,
die gute alte Frau,
ich küsse sie und schenke  ihr
die neue Hochzeitsschau.

So geht der Kreis, tagein, tagaus, in liebevoller Rund
Und siehst du auch den Tod im Haus,
so grüß ihn wohl und werd´ gesund.

© Ines Sperling 2018
Menü