Mexikanisches Totenfest

Mexikanisches Totenfest – Der Tag der Toten  Calaca e.V. Berlin

Jährlich veranstaltet der Verein Calaca e.V. in Berlin ein Mexikanisches Totenfest. Seit nunmehr 10 Jahre ist dieses Fest öffentlich und alle Menschen, die Interesse haben, sind herzlich eingeladen. Am 2.11.2013 habe ich das erste Mal an diesem Fest teilgenommen, nachdem mir eine Freundin aus unserer Hospizgruppe einen Flyer vom Fest gegeben hatte.

Schon am Eingang war alles festlich geschmückt, natürlich mit Skeletten, Knochen und Totenschädeln. Bunt, lustig, witzige Szenen darstellend, zeigte sich das TAK Theater Aufbau in skurriler Verkleidung. Es erinnerte mich ein wenig an Silvester oder einen für Fasching dekorierten Raum. Die Menschen waren sehr freundlich, fleißig in der Vorbereitung und eine warme gastfreundschaftliche Atmosphäre lud zum Bleiben ein.

Im hinteren Teil des großen Raumes war ein überdimensional großer Altar aufgebaut. Eine wahre Anregung für die Sinne. Neben Unmengen von Blumen und Kerzen konnte man gleichfalls viele lustig tanzende Skelette sehen, die auf dem Altar trappiert, an der Wand angeheftet, eine lustige Stimmung verbreiteten. Totenschädel aller Couleur, Süßigkeiten, Obst, selbst gebastelte Erinnerungsstücke, Fotos von Verstorbenen, Perlen, Ketten, Totensymbole und vieles andere mehr schmückten diesen „Gabentisch“.

        

Der gesamte Raum war mit Szenen von tanzenden und freudig wirkenden Totenskeletten dekoriert. Dieses Jahr war für die Mexikaner ein besonderes Jahr, denn ein großer Künstler und Karikaturist, der sich sehr für die Beziehung zwischen den Lebenden und den Toten eingesetzt hat, feierte 100. Todestag und wurde speziell eingeladen. Das diesjährige Fest war dem Künstler José Guadalupe Posade gewidmet. Die von ihm entworfenen Masken und Verkleidungen wurden dann auch von den Akteuren gespielt und zum Jahrmarkt der Skelette kreiert.

Daneben gab es liveMusik im traditionellen mexikanischen Stil und später auch noch ein Schattentheater, „Wie der Tod überlistet wurde“.

Sehr rituell wurde der Altar eröffnet. Von Geigen und Gitarre getragene Musik umrahmte die Zeremonie. Weihrauchräucherungen und Muschelbläser riefen die Toten an und luden sie zum Fest ein. Danach konnten alle Gäste ihre Erinnerungsstücke, Geschenke und Bilder der Verstorbenen auf dem Altar dazu stellen und bei Wunsch auch eine Kerze entzünden.

Alles schien ein wenig wie eine Maskerade über den Tod, ein skurriles Kabarett, wenn nicht gleichzeitig auch eine besinnliche Stimmung von Gedenken und Liebe den Raum gefüllt hätte, die einen realen Bezug zum Thema fühlbar machten. Menschen saßen vor dem Altar und betrachteten lange stillschweigend die Bilder der Verstorbenen. Fotos von jungen Männern und Frauen und Kindern standen neben Fotos von alten verstorbenen Greisen. Auf allen Fotos waren lachende Gesichter zu sehen. Kerzen brannten in ihrer beruhigenden Weise und hinter all dem friedlichen Gedanken tobte das Jubelfest. Für uns Europäer ein merkwürdiger Anblick. Trotzdem ist dieses Fest eine Chance für uns, endlich mit dem Tabuthema Tod zu brechen und einen positiveren Umgang zu finden. Christliche lustfeindliche Traditionen sind zu beenden und eine neue Kultur von Freude, Gemeinsamkeit zu schaffen.

Ich bin dankbar bei diesem Fest dabei gewesen zu sein. Nicht nur, weil es dieses Jahr auch in meiner Nähe wieder verstorbene Menschen gab, denen ich dort auf unorthodoxe Weise gedenken konnte, sondern auch wegen der Herzlichkeit, der Freundschaft, der Lebenslust und dem Miteinander solch ein großes Fest zu feiern. Das war sehr schön. Vielen Dank!

I.S.

 

 

 

 

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