Melisse Signatur: Venus Mond

Melissa officialis

Liebliche Namen aus dem Volk: Herztrost, Zitronenkraut, Honigblume, Frauenwohl, Bienenkraut, Immenblume

Die Melisse ist eine hervorragenden Heilpflanze, die schon seit altersher besonders in der Frauenheilkunde Anwendung findet.

Ein bisschen Geschichte

Sie stammt ursprünglich aus Westasien und dem Mittelmeerraum. Schon vor 1000 Jahren war die Melisse in Arabien bekannt und hoch geschätzt. Sie wurde gegen die Melancholie und dunkle Gedanken verwendet. In unseren Klostergärten zog sie ab dem 11 Jh. ein. Hier wurde sie von den Nonnen und Mönchen als Heil- Gewürz- und Duftkraut angebaut. In Mitteleuropa wächst sie nicht wild, die mag die Nähe und die Pflege durch die Menschen und gibt zum Danke ihre wertvollen Heilkräfte frei. Seitdem ist sie fester Bestandheil der Taditionellen Europäischen Medizin. Erstmals wurde die Melisse im europäischen Raum sicher erwähnt im „Circa instans“. Das „Circa instans“ ist ein zentrales Werk der Medizinschule von Salerno, das um 1150-1170 entstand und etwa 270 Monografien über einfache Arzneimittel umfasst. Dort heißt es, sie habe die Fähigkeit zu stärken, Säfte aufzulösen, zu verzehren und auszutrocknen. Zudem würde sie den Monatsfluss verstärken und die Gebärmutter reinigen sowie die Empfängnisfähigkeit fördern. Ob die Begriffe aus der Hildegardmedizin die Melisse meinten, ist nicht ganz klar. Hildegards Name „binsuga“ – Bienensaug- deutet jedenfalls deutlich darauf hin. Mit dem Melissengeist bzw. Karmelitergeist begann ihre Bekanntheit zuzunehmen. Denn sie wurde 1611 von dem Orden der barfüßigen Karmeliter in Paris als Geheimmittel eingeführt. Heute hat der erhältliche Melissengeist fast nichts mehr mit der ursprünglichen Rezeptur zu tun. Karl der Große ordnet in seiner Verordnung „Capitulare de villis“ ihren Anbau an. Ab dem Spätmittelalter wurde sie als Mutterkraut bezeichnet. Das sie als große Heilerin in der Frauenheilkunde wirkt, ergibt sich aus dem Spektrum ihrer Heilkräfte. Heute wird sie in Bauergärten, Hausgärten und in Kulturen angebaut.

Mit wem haben wir es zu tun?

Das Pflänzchen wird ca.80- 90 cm groß. Sie gehört zur Familie der Lippenblütler- Lamiaceae. Sie wächst ausdauernd, mit stark verzweigten vierkantigen Stängeln. Die Blätter sind gegenständig angeordnet, langgestielt, am Grunde eiförmig bis herzförmig. Ihre Körperfarbe variiert von eher zarten gelblichgrün bis zu einem tiefen grün, je nach Bodenbeschaffenheit. Sie hat herzförmige Blätter, grob gezähnt. Stängel und Blätter haben wenige aber kleine Haare. Die kleinen weißen Blüten sitzen zu 3 bis 6 quirlig angeordnet in den oberen Blattachseln. Sie blüht ab ca. Juli bis August, also ab der Sommersonnenwende. Die jungen zarten Blätter riechen frisch zitronenartig, der Geschmack ist würzig. Sie ist sehr wärmeliebend, benötigt einen nicht zu trockenen Boden, das „Weinklima“sagt ihr am besten zu.

Autor/-in unbekannt – Köhlers Medizinalpflanzen, Gemeinfrei

Was ist denn da drin?

Neben Bitterstoffen, Mineralsalzen und Gerbstoffen ist der Hauptwirkstoff das sehr flüchtige ätherische Öl. Es ist ein besonderes Geraniolaldehyd; das Citral, das Neral sowie das Citronellal, welches den feinen zitronenartigen Geruch auslöst. Das Öl ist nur in sehr geringen Mengen in den Blättern vorhanden (0,05-0,8%), weshalb Melissenöl unerschwinglich teuer ist. 1 Liter kostet derzeit auf dem Weltmarkt ca 18.750,00 Euro, da man ca. 8 Tonnen Kraut dafür benötigt.

 

Heilwirkung

Melisse hat eine harmonisierende, krampflösende, beruhigende, blutdrucksenkende, besänftigende Wirkung. Sie ist schwach Bakterien und Viren hemmend. Es würde nach Plinius als stärkendes Augenmittel verwendet werden können. Geht man von der binsuga der Hildegard aus, so liest man bei ihr: wer sie isst, wird gerne lachen, weil ihre Wärme die Milz angreift und das Herz dadurch freudig wird… Paracelsus nannte die Melisse … von allen Dingen, die die Erde hervorbringe, die bester Pflanze für das Herz sei… Auch andere Heilkundige schlossen sich der Herztheorie an. In der Signaturlehrer habe die Melisse die Signatur des Herzens.

Melisse als Heilkräftige

innerlich: Menstruationsstörungen, Krämpfen, Hysterie, Blähungen, Koliken, nervöse Magenbeschwerden, nervöse Atemerkrankung, Depression, Migräne, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, nervöse Herzleiden, gegen Stress, Kummer, Traurigkeit, nervöse Verspannung, für Nieren, Magensaftproduktion kommt wieder in Fluss, kreislaufregulierend, besänftigt die Schilddrüse, wirkt Stressüberflutung entgegen.

äußerlich: Rheuma, Quetschungen, Geschwülsten, Insektensticken, Blutergüsse, Nervenentzündungen, Milchknoten

Melissentee für die Bienen: flache Schüsseln mit Melissentee vor die Bienenstöcke, auch Bienenkörbe damit auswaschen, verbessert deren Gesundheit.

Rezepte für die Gesundheit

Blähungen: Melisse, Kamille, Pfefferminze zu gleichen Teilen in einem Teeaufguss. 1Teelöffel auf eine Tasse, ungesüßt schluckweise trinken.

Nervenschwäche: Melisse und Johanniskraut, zu gleichen Teilen als Teeaufguss. 1 Teelöffel auf eine Tasse, 2-3 Tassen pro Tag mit Honig gesüßt auch Mischung von Baldrian, Hopfenblüten und Melissenkraut

Frischpflanzenpresssaft ist sehr efffektiv: davon 2-4 Esslöffel täglich

Herz, Kreislauf, Nerven-Kur: morgens und mittags je 1 Eßl. Mistel/Weißdornsaft, abends 2 Eßl. Melissensaft – Dauer 6 Wochen

Lippenherpes: frisches Melissenblatt angefeuchtet etwas gewalkt auf die Lippen legen.

Wechseljahre: in Teemischung mit anderen Kräutern

Gehörschwäche: Teeaufguss 15 min ziehen, mit Honig süßen, mit einem von 3 Kräutern. 1. Woche Gundermann, 2. Woche Lavendel, 3. Woche Melisse – beginnen einen Tag nach Vollmond- letzte Woche vor Vollmond aussetzen.

 

Rezepte für die Küche

  • 1-2 Blättchen in den frischen Salat (kleingeschnitten) oder in Karottenrohkostsalat
  • in klarem Wasser, eine Stunde ziehen lassen, aromatisiert
  • kleingehackt über milde Suppen (Erbse, Möhre)

Das ätherische Öl

in der Raumluft: wirkt angenehm wohltuend, Vertrauen stärkend, hilft Loslassen, Verstand loslassen, sich besser zu spüren

Massageöl: Melissegeist zum Einreiben bei Rheuma

in Salbe: 4-5 Tropfen Öl  auf 10g Creme

für die Seele

gegen Minderwertigkeit: Tee beruhigt die Nerven und Gehirn, verbessert Durchblutung der Organe, stärkt Herz, Magen, Darm

gegen Depression: auf ein Glas Milch 1Messerspitze pulverisierte Melissenblätter, aufwärmen

zarte Frauen partizipieren von Melissentee mit Honig

Rezepte für Wellness und Schönheit

Badezusatz: 50g Melissenblätter in 1l Wasser aufkochen, 10 min ziehen lassen, abseihen dem Vollbad zugeben, 150g auf 3l Wasser aufgießen, 15 min ziehen dem Vollbad zugeben – gegen Migräne, zur Beruhigung am Abend

Gesichtsdampfbad: 2l heißes Wasser, 1EL Meersalz, 3Tr. Melissenöl 8%, bei zu Unreinheiten neigender Haut, bei Pickelchen.

Pflegecreme: Mischung aus Melissenöl, Lavendel ggf. Teebaum auf eine Basiscreme, zur Harmonisierung der Haut, in Kombination mit Zitronenöl wirkt die Creme straffend

Quellen:

Weidinger; H.-J., Mit dem Kräuterpfarrer durchs ganze Jahr, Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, 1988

Madejsky, M., Alchemilla, Goldmann, München, 2000

Meyer, A., Lexikon der Düfte, Taoasis Verlag, 1991

Weigert, S., Gesund & Schön mit der Kraft ätherischer Öle, Akademie der Düfte, 2020

Mayer, Dr. J..G./Uehleke, Prof.Dr. B./Saum, K., Das große Buch der Klosterheilkunde, Verlag Sandmann München, 2013

Willfort,R., Das große Handbuch der Heilkräuter, Nikol Verlagsgesellschaft mgHHamburg, 1997